ETF: Vor- und Nachteile eines Indexfonds

Momentan feiern die Börsen mal wieder Höchststände. Die meisten Kleinanleger verpassen den Aktienboom allerdings komplett, und das, obwohl fast alle anderen Anlageformen historisch niedrige Zinsen bieten (z.B. Tagesgeld 0,4%). Grund ist vor allem das hohe Kursrisiko am Aktienmarkt, schließlich können die Börsen jederzeit und unvorhergesehen wieder einbrechen. Zudem haben viele Anleger in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit der Aktienanlage gesammelt (Totalverlust am Neuen Markt etc..). Was viele Anleger nicht wissen, mit ETFs (Exchange Traded Funds) bzw. Indexfonds lassen sich die Risiken beim Aktienkauf ein wenig reduzieren und langfristig auch gute Renditen erzielen. Wie solche Indexfonds funktionieren und welche Vor- und Nachteile diese gegenüber Einzelaktien und aktiv gemanagten Fonds bieten, erkläre ich nun.

Das Problem mit den Einzelaktien

Die Deutschen sind Aktienmuffel und das hat auch historische Gründe. Anleger haben um die Jahrtausendwende viel Geld mit der „Volksaktie der Deutschen Telekom“ verloren. Vom damaligen Höchststand von knapp 100 Euro ist die Aktie heute noch meilenweit entfernt. Doch das Unternehmen gibt es immerhin noch und zahlt gelegentlich sogar Dividende. Schlimmer hat es Aktionäre am Neuen Markt getroffen. Für viele endete das Börsenabenteuer mit einem Totalverlust. Was die Sache besonders bitter macht, so war es nicht selten der „Bankberater von nebenan“, der den Kleinanlegern die Aktien des hochspekulativen Neuen Markts nahegelegt hatte. Entsprechend ist auch das Vertrauen in die Bankberater dahin.

Hätte ein Kleinanleger seinerzeit in BMW-Aktien investiert, wäre genau das Gegenteil passiert. Der Kurs hat sich bis heute nämlich mehr als verzehnfacht. Doch im Nachhinein ist eben alles einfacher und wie sich eine Aktie langfristig entwickelt, lässt sich schwer einschätzen. Und genau hier liegt der Vorteil der ETFs:

Wie funktionieren ETFs/Indexfonds?

Indexfonds bilden einen Aktienindex wie den DAX nach. ETFs wiederum sind an der Börse gehandelte Indexfonds. Ein DAX-ETF enthält also Anteile an allen 30 DAX-Unternehmen. Nicht alle der enthaltenen Unternehmen haben aber den gleichen Börsenwert, der Anteil von Bayer am DAX beträgt z.B. 10,17%, der Deutsche Telekom 5,17% usw… Entsprechend sind auch die Unternehmen am DAX-ETF unterschiedlich gewichtet, wobei der DAX möglichst exakt nachgebildet wird.

Dadurch, dass viele Unternehmen im Indexfonds enthalten sind, sinkt gleichzeitig das Verlustrisiko. Den Verlust, den man mit der einen Aktie machen würde, könnte eine andere Aktie wieder ausgleichen. Solange der Index steigt, gewinnt der Anleger. Man erhält allerdings nur eine durchschnittliche Rendite, da den guten Unternehmen in der Regel auch schlechte (faule Äpfel) gegenüberstehen. Geht es einem Unternehmen wirtschaftlich besser, steigt langfristig der Anteil am Index. Geht es einem Unternehmen schlechter, fällt der Indexanteil. Im Grunde vertraut man bei einem Indexfonds auf die „Weisheit der Massen“. Populäre Unternehmen (z.B. Apple in den USA) werden von vielen Anlegern gekauft und steigern dadurch den Börsenwert überproportional. Dadurch werden die Indexfonds gezwungen die entsprechende Aktie nachzukaufen.

Für Kleinanleger haben die Indexfonds außerdem den Vorteil, dass man sich nicht dauernd mit dem Thema Börse, Unternehmensbewertungen etc.. beschäftigen muss.

Indexfonds vs. Aktiv verwaltete Fonds

Indexfonds orientieren sich immer an der Gewichtung des entsprechenden Indizes. Die Alternative zu Indexfonds sind aktiv gemanagte Fonds, bei denen ein Fondsmanager Entscheidungen trifft, in welche Aktien investiert wird und in welche nicht. Bei Indexfonds ist daher der Verwaltungsaufwand sehr viel geringer. Die jährlichen Gebühren belaufen sich in der Regel auf 0,2 bis 0,5%, während ein aktiv gemanagter Fonds bis zu 2% an Gebühren verschlingen kann. Damit sich ein aktiv gemanagter Fonds für Anleger mehr lohnt als ein Indexfonds muss dieser jährlich mindestens 1,5% besser performen. Doch es gibt diverse Statistiken, die besagen, dass dies nur die wenigsten Fondsmanager auf Dauer schaffen.

Indexfonds (passiv) Aktienfonds (aktiv)
Ziel des Fonds Index möglichst genau nachbilden Index schlagen
Verwaltungsgebühren 0,2% – 0,5% jährlich 1,5% – 2,0% jährlich
Anschaffungskosten (Aufschlag) 0,25% 4,0 – 5,0%

Auch Indexfonds sind nicht ohne Risiko

Auch wenn sich das jetzt ziemlich gut anhört, sind natürlich auch ETFs/Indexfonds nicht vollkommen risikolos. So ging der DAX nach dem Zusammenbruch der New-Economy um rund 75 Prozent nach unten und ein DAX-ETF würde gleichermaßen an Wert verlieren. Bis der alte Kurs von vor der Krise wieder erreicht wurde, hat es beinahe sieben Jahre gedauert. Doch anders als bei der Telekom Aktie wäre man mit einem DAX-ETF heute längst wieder dick im Plus.

Sind aktive Aktienfonds in Krisenzeiten besser?

Ein häufig genanntes Argument für aktive Aktienfonds ist, dass diese in Krisezeiten besser performen als Indexfonds. Schließlich kann ein Fondsmanager bei den ersten Anzeichen eines Crashs alle Aktienanteile verkaufen. Doch es gibt zahlreiche Studien die belegen, dass auch aktive Fonds in Krisenzeiten nicht besser abschneiden als Indexfonds. Da niemand weiß, wie sich ein Markt entwickelt, ist es einfach nicht möglich den Ausstieg/ Einstieg perfekt zu timen. Viele steigen zu spät aus und verpassen nach dem Crash den günstigsten Einstiegspunkt, so dass der Vorteil gegenüber den Indexfonds dahin ist. (Hinweis: In der Vergangenheit folgte nach jedem Crash irgendwann ein erneuter Aufschwung. 😉 )

Teil 2: Auswahl und Kauf eines ETFs/Indexfonds




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