ETF (Indexfonds) kaufen: Einfache Checkliste für Kapitalanleger

Die vielfältigen Vorteile von ETFs/ Indexfonds haben Sie überzeugt? Dann steht im nächsten Schritt die ETF-Auswahl und ggf. auch der Kauf eines solchen Fonds an. ETFs sind allerdings komplexe Finanzprodukte und vor dem Kauf ist eine intensive Beschäftigung mit dem Thema sinnvoll. Viele Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet der folgende Artikel:

1. Wo kaufe ich Indexfonds?

Wer Indexfonds bzw. ETFs erwerben möchte, benötigt zunächst ein Wertpapierdepot. Wer noch kein Depot besitzt, sollte ein solches bei einem Online-Broker eröffnen. Bei den Online-Brokern ist die Depotführung mittlerweile in der Regel kostenlos, bei Filialbanken können noch jährliche Depotgebühren anfallen. Um nur einige Anbieter zu nennen: ING-DiBa, Comdirect, Consorsbank, DAB Bank oder flatex.

Beim Kauf eines ETFs fallen Gebühren an. Diese Kosten belaufen sich auf ca. 0,25% des Anschaffungspreises. Auch diesbezüglich sind die Online-Broker in der Regel günstiger als die Filialbanken.

Indexfonds (passiv) Aktienfonds (aktiv)
Anschaffungskosten (Aufschlag) 0,25% 4,0 – 5,0%

Bei vielen Bankmitarbeitern sind die Indexfonds nicht sonderlich beliebt. Es soll sogar Filialbanken geben, die versuchen, den Kunden die Indexfonds auszureden. Als Alternative werden die hauseigenen „teuren Aktienfonds“ vorgeschlagen. Grund für die Ablehnung sind vor allem die niedrigen Anschaffungskosten der ETFs. Dadurch sinken eben auch die Vertriebsprovisionen der Bankmitarbeiter.

2. Welche Indexfonds soll ich kaufen?

Hinsichtlich ETFs haben Anleger schier unbegrenzte Möglichkeiten. Kaufe ich einen ETF auf den DAX, MDAX, ÖL, Immobilien, Gold, China oder doch klassisch den Weltindex „MSCI World„? Die meisten Börseneinsteiger setzen auf bekannte Indizes wie den MSCI World Index, Euro Stoxx 50 (die 50 führenden Unternehmen der Eurozone) oder den heimischen DAX.

Beispiel „MSCI World“:
Der Indexfonds enthält über 1.600 Aktien aus 23 Ländern und beschränkt sich dabei auf die klassischen Industrienationen sowie deren umsatzstärkste Unternehmen (sogenannte Large Caps). Dabei handelt es sich beispielsweise um Unternehmen wie z.B. Apple, Microsoft, Nestlé oder Bayer. Großer Vorteil des MSCI World ist, durch das breite Investment in sehr viele Firmen ist auch das Risiko breit gestreut. Im Gegensatz dazu ist ein DAX-ETF mit nur 30 enthaltenen Werten deutlich schwankungsanfälliger. Der MSCI World hat einen großen USA-Anteil (ca. 50%), dahinter folgen die europäischen Unternehmen (28%), Japan, Australien und Kanada. Kein anderer Indexfonds wird so häufig in der Presse erwähnt und als die Alternative zu den teuren (aktiv gemanagten) Fonds empfohlen.

Mögliche Ergänzungen zum MSCI World
Viele Anleger kaufen zwecks Diversifikation gleich mehrere Indexfonds. Da der Amerika-Anteil im MSCI World bereits sehr hoch ist, bietet sich als Alternative beispielsweise der MSCI Emerging Markets Index an. Dieser hat sich auf Schwellenländer wie China, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften spezialisiert. Die Investition in Schwellenländer ist natürlich ein wenig riskanter, daher sollte man den Indexfonds beimischen, aber nicht übergewichten. Eine mögliche Gewichtung wäre z.B. MSCI World (75%) und MSCI Emerging Markets (25%)
Aber auch ein Europaindex (z.B. Euro Stoxx 50), USA/Europa-Nebenwerte (sogenannte Small Caps) wären als Beimischung zum MSCI World Index denkbar. Wer für Deutschland in der Zukunft gute Wachstumschancen sieht, kann natürlich auch einen DAX-ETF erwerben.

3. Von welcher Fondsgesellschaft kaufe ich den ETF?

Spätestens jetzt wird’s kompliziert. Hat man sich für einen ETF wie den MSCI World Index entschieden, muss man beim Online Broker noch eine Fondsgesellschaft auswählen. Der MSCI World Index wurde vom amerikanischen Finanzdienstleister Morgan Stanley entwickelt und hat Lizenzen an diverse Fondsgesellschaften vergeben. So kann man den MSCI World beispielsweise von der Fondstochter der Deutschen Bank (db x-trackers), Commerzbank (ComStage), UBS und auch diversen anderen Fondsgesellschaften (z.B. Blackrock) kaufen. Die Fondsangebote können sich hinsichtlich jährlicher Gebühren, Dividendenausschüttungen und Art der Nachbildung grundlegend unterscheiden.

ETF Name (MSCI World Index) WKN Gesamtkosten (TER) Nachbildung Dividenden Ausschüttung
iShares Core MSCI World UCITS ETF A0RPWH 0,2% Physisch / Optimiertes Sampling Thesaurierend
ComStage MSCI World TRN UCITS ETF ETF110 0,40% synthetisch Thesaurierend
db x-trackers MSCI World Index UCITS ETF A1XB5U 0,19% Physisch / Optimiertes Sampling Thesaurierend
AMUNDI ETF MSCI WORLD EUR A0X8ZX 0,38% synthetisch Thesaurierend
Lyxor ETF MSCI World – D-EUR LYX0AG 0,45% synthetisch Ausschüttend
UBS ETF – MSCI World A A0NCFR 0,30% Physisch / Optimiertes Sampling Ausschüttend

Gesamtkosten (TER) p.a
Anleger sollten vor allem die „Gesamtkosten (TER)“ betrachten. Die laufenden Fondsgebühren liegen bei Indexfonds in der Regel bei unter 0,5% jährlich (je niedriger desto besser). Im Gegensatz dazu können die Verwaltungsgebühren bei den aktiv gemanagten Fonds bis zu 2% betragen. Die Kostenvorteile sind möglich, weil bei den Indexfonds die Aktienauswahl quasi automatisiert wird und ein hoch bezahlter Fondsmanager, der die Aktienauswahl vornimmt, überflüssig ist. Allerdings ist die Angabe der „Gesamtkosten (TER)“ lückenhaft. Transaktionskosten, die durch den Kauf und Verkauf von Aktien entstehen, sind nicht in den Verwaltungskosten enthalten. Die tatsächlichen Gesamtkosten liegen daher immer ein wenig über den TER.

Art der Nachbildung
Ein ETF auf den „MSCI World Index“ muss theoretisch Aktienanteile an rund 1.600 Unternehmen erwerben und dabei auch noch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Unternehmen berücksichtigen (Apple: 1,72%, Exxon Mobile: 1,36%…). Doch das ist teuer. Vor allem bei den kleineren Werten, die nur in geringer Stückzahl gekauft werden, sind die Transaktionskosten unverhältnismäßig hoch. Zur Nachbildung des Indizes verwenden Fondsgesellschaften daher die folgenden Methoden:

  • Physisch (Vollreplikation)

Ein Fonds kauft die Aktienanteile tatsächlich. Dies ist die teuerste Variante, bei kleineren Indizes wie dem Dax unproblematisch.

  • Sampling  (Teilreplikation)

Bei großen Fonds wie dem MSCI World Index ist es zu teuer alle Aktien zu erwerben. Fonds kaufen nur einen Teil aller enthaltenen Aktien (Sampling). Da nicht alle Aktien enthalten sind, kann dies aber zu Abweichungen vom Index führen.

  • Synthetisch (Swap-basierte Fonds)

Die Fondsgesellschaft kauft keine Aktien. Durch komplexe Gegengeschäfte/Tauschgeschäfte mit anderen Banken (sogenannte Swaps), wird die Wertentwicklung des Indizes eingekauft. Dies ist günstiger, aber nicht ganz unumstritten.

Ausschüttend / Thesaurierend
Was passiert bei den Indexfonds mit der Dividende? Bei Thesaurierenden Fonds bleiben diese Gewinne im Fonds und erhöhen den Wert pro Fondanteil. Im anderen Fall wird die Dividende an die Fondsanleger ausgezahlt. Auch aus Steuersicht ergeben sich dadurch Unterschiede: Bei ausschüttenden Fonds wird die Abgeltungssteuer sofort einbehalten. Bei thesaurierenden Fonds, müssen Sie die Gewinne (Dividenden) selbst in der Steuererklärung angegeben werden.




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